Aktualisiert am 30.11.2025

Reflux bei Babys: Das sollten Eltern wissen

Eine junge Frau hält ihr Baby auf dem Arm.

Babys spucken. Oft nach jedem Bäuerchen. Und manchmal kommt mehr zurück, als einem lieb ist. Was normal ist und wann du genauer hinschauen solltest, liest du in diesem Beitrag.

von Alina Kuhnert, Journalistin

Das Wichtigste in 60 Sekunden

Unser Service für dich:

  • Spucken ist bei Babys meist normal. Häufiges Aufstoßen nach dem Füttern gehört zur normalen Reifung des Verdauungssystems – vor allem in den ersten Lebensmonaten.
  • Reflux entsteht durch einen noch unreifen Schließmuskel. Der Rückfluss von Milch in die Speiseröhre ist anatomisch bedingt und in der Regel harmlos.
  • GER und GERD sind nicht dasselbe. GER ist gelegentlicher Reflux und meist harmlos, ohne Beschwerden. GERD ist eine chronische Erkrankung. Der Reflux tritt häufiger auf und kann die Speiseröhre belasten.
  • Stiller Reflux tritt vor allem bei Babys auf. Symptome wie Husten, Heiserkeit oder Unruhe zeigen sich ohne sichtbares Spucken.
  • Manche Beschwerden erfordern ärztlichen Rat. Dazu gehören Trink- und Essprobleme, häufiges Schreien, fehlende Gewichtszunahme oder anhaltender Husten.
  • Sanfte Maßnahmen können helfen. Eine aufrechte Haltung beim Füttern, kleinere Mahlzeiten und bequeme Kleidung können Beschwerden lindern.

Die Milch ist weg, dein Baby liegt ruhig an deiner Schulter. Dann kommt das Bäuerchen – und ein Schwall hinterher. Über dein Shirt. Aufs Sofa. Und schon wieder ist ein Strampler reif für die Waschmaschine. Kommt vor. Sogar ziemlich oft. Und doch bleibt manchmal ein komisches Gefühl.

Spuckt dein Baby nach fast jeder Mahlzeit? Oder nur manchmal – aber dann so richtig? Hier liest du, worauf du achten solltest. Und was im Alltag helfen kann.

Warum spucken Babys so häufig?

Zunächst: Keine Sorge, wenn dein Baby manchmal spuckt. Das ist in den ersten Monaten ganz normal. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Häufig schlucken sie beim Trinken viel Luft.1 Auch ein voller Magen drückt gern etwas Milch nach oben.

Babys haben anfangs noch kein klares Sättigungsgefühl. Manchmal trinken sie mehr als gut für sie ist. Zum Beispiel, weil Trinken beruhigt, wenn sie unruhig sind. Auch das kann den Magen überfordern und zum Spucken führen.

Eine Mama hält ihr Baby im Arm und stillt es.

Erbrechen ist etwas Anderes. Dabei kommt der Mageninhalt schwallartig zurück, also mit Kraft. Und manchmal auch mit Würgen. Das ist nicht automatisch ein Grund zur Sorge und kann gelegentlich normal sein. Tritt es jedoch sehr häufig auf oder ist mit weiteren Beschwerden verbunden, solltest du es ärztlich abklären lassen. Ursachen können zum Beispiel eine Infektion oder eine Unverträglichkeit sein.

Fazit: Solange dein Baby gut zunimmt und zufrieden wirkt, ist Spucken meist harmlos. Werden die Beschwerden stärker oder kommen neue hinzu, solltest du genauer hinschauen. Neben den genannten Ursachen gibt es auch körperliche Gründe – etwa ein noch unreifer Schließmuskel. Was das bedeutet, erfährst du im nächsten Abschnitt.

Gut zu wissen!

Drücken und Spucken bei Babys

Es ist mitten in der Nacht, du hast dein Baby gerade gestillt und hoffst auf ein bisschen Schlaf. Plötzlich fängt es an zu pressen – das Gesicht wird rot, es stöhnt, und kurz darauf läuft Milch aus dem Mund.

Das wirkt dramatisch, ist aber meist völlig normal. In den ersten Monaten ist die Verdauung noch nicht eingespielt. Darmbewegungen und Bauchpresse laufen unkoordiniert. Gleichzeitig ist der Schließmuskel zwischen Magen und Speiseröhre noch unreif. Beim Pressen steigt der Druck im Bauch – und die Milch kann leichter zurückfließen.

Die gute Nachricht: Mit der Reifung des Verdauungssystems stabilisiert sich auch der Schließmuskel. Sowohl das Spucken als auch das laute Pressen werden weniger und die Nächte für dich und dein Baby ruhiger.

Was ist Reflux bei Babys?

Reflux bedeutet, dass Mageninhalt wieder in die Speiseröhre zurückfließt. Bei Babys ist das meist normal und anatomisch bedingt. Denn ihr unterer Schließmuskel der Speiseröhre ist noch nicht voll entwickelt.2 Er funktioniert wie ein Ventil, das den Magen „abschließt”. Zudem liegen Babys viel – auch das kann den Rückfluss begünstigen.

Reflux ist in den ersten Lebensmonaten sehr häufig. Etwa jedes zweite Baby ist in den ersten drei Monaten betroffen. Mit einem Jahr sind es nur noch fünf Prozent.3

Aber Reflux ist nicht gleich Reflux. Man unterscheidet zwischen Reflux (GER) und der Refluxkrankheit (GERD).

  • GER beschreibt den harmlosen Reflux, der meist keine Schmerzen verursacht. Der Magen deines Babys ist voll, der Schließmuskel noch unreif. Also kommt hin und wieder etwas Milch hoch. Unschön, aber normal.
  • GERD ist eine chronische Erkrankung, die Beschwerden verursacht. Der Rückfluss passiert häufiger, belastet die Speiseröhre und kann Entzündungen verursachen. Im Rückfluss stecken nicht nur Milchreste, sondern auch Magensäure oder Galle, die die Schleimhaut reizen. Häufig kommen Husten oder Atemprobleme dazu.

 

Übrigens: Viele Eltern befürchten, dass ihr Baby in Rückenlage erbricht und daran erstickt. Doch das ist ein weitverbreiteter Irrglaube. Babys haben Schutzreflexe.4 Sie husten, schlucken oder würgen Flüssigkeit ab. Die Rückenlage bleibt die sicherste Schlafposition, auch bei Reflux.

Woran erkenne ich Reflux bei meinem Baby?

Reflux kann sich je nach Alter unterschiedlich zeigen. Bei Babys stehen meist eher unauffällige Anzeichen im Vordergrund, während ältere Kinder typische Beschwerden wie Sodbrennen entwickeln.

Folgende Symptome können auftreten:

  • häufiges Aufstoßen und Spucken nach dem Füttern
  • „nasse Rülpser” beim Bäuerchen
  • gelegentliches Räuspern
  • Heiserkeit
  • Schluckauf

Solange dein Baby dabei zufrieden wirkt und gut zunimmt, sind diese Anzeichen meist harmlos.

Eine Mama klopft ihrem Baby leicht auf den Rücken, damit es ein Bäuerchen macht.

Die Refluxkrankheit (GERD) geht darüber hinaus und kann folgende Symptome hervorrufen:5

  • Häufiges und/oder starkes Erbrechen
  • Entzündung der Speiseröhre
  • Nahrungsverweigerung (aufgrund von Schmerzen in Speiseröhre)
  • Chronischer Husten und Keuchen
  • Reizbarkeit und Schreiattacken ohne erkennbare Ursache
  • Atemgeräusche (Stridor)
  • Schlafprobleme
  • Gedeihstörung oder unzureichende Gewichtszunahme

Solche Symptome solltest du immer ärztlich abklären lassen.

Gut zu wissen!

Stiller Reflux bei Babys

Der stille Reflux (laryngopharyngealer Reflux) ist eine Sonderform. Dabei steigt der Mageninhalt in die Speiseröhre auf, gelangt aber nicht bis zum Mund. Die Milch bleibt also in der Speiseröhre oder gelangt in feinster Form bis in den Rachen. Die Beschwerden ähneln dem sichtbaren Reflux – nur ohne Spucken. Dein Baby kann zum Beispiel heiser sein, husten oder viel schreien. Weil man nichts sieht, bleibt stiller Reflux oft unbemerkt.6

Wann braucht dein Kind ärztliche Hilfe?

Gelegentliches Spucken oder Aufstoßen ist meist harmlos. Es gibt aber Situationen, in denen du aufmerksam werden solltest. Suche die Kinderärztin oder den Kinderarzt auf, wenn dein Baby …

  • … nicht zunimmt oder sogar Gewicht verliert.
  • … regelmäßig schwallartig erbricht.
  • … beim Füttern häufig weint, sich überstreckt oder wegdreht.
  • … nach den Mahlzeiten oft hustet.
  • … den Appetit verliert.
  • … anhaltend unruhig ist, schlecht schläft oder ständig schreit.
  • … du Blut im Erbrochenen entdeckst.

Diese Anzeichen bedeuten nicht automatisch eine ernste Erkrankung. Aber sie sollten ärztlich abgeklärt werden, damit du Sicherheit hast.

Gut zu wissen!

Milchallergie oder GERD?

Eine Kuhmilchallergie kann ähnliche Symptome wie GERD hervorrufen.7 Darunter Übelkeit und Erbrechen. Das bedeutet nicht, dass dein Baby Muttermilch nicht verträgt. Hinter den Beschwerden stecken oft Eiweiße aus Kuhmilch, die über deine Ernährung in die Muttermilch übergehen.

Stillst du, kann der Verzicht auf Milchprodukte helfen. Alternativ gibt es spezielle Säuglingsnahrung. 

Wichtig: Sprich solche Umstellungen immer mit deiner Kinderärztin oder deinem Kinderarzt ab.

Was hilft meinem Baby bei Reflux?

Es gibt viele kleine Maßnahmen, die den Alltag mit einem spuckenden Baby leichter machen. Sie ersetzen keine ärztliche Beratung – können aber Beschwerden lindern.

  1. Kleine Portionen statt Überfütterung. Um Reflux und Sodbrennen zu vermeiden, solltest du dein Kind nicht überfüttern. Gib ihm lieber häufiger kleinere Portionen. So bleibt der Magen weniger voll und der Druck auf den Schließmuskel geringer.
  2. Milch nur mit Bedacht andicken. Viele Eltern hören den Tipp, Milch anzudicken. Bitte niemals mit zusätzlichem Milchpulver. Das bringt die Nährstoffe aus dem Gleichgewicht. Geeignete Andickmittel solltest du nur nach Rücksprache mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt verwenden.
  3. Aufrecht füttern. Halte dein Baby beim Trinken aufrecht.7 Und das auch 20 bis 30 Minuten danach. Das kann den Rückfluss minimieren.
  4. Regelmäßige Bäuerchen. Lass dein Baby nach jeder Mahlzeit und zwischendurch aufstoßen. So entweicht geschluckte Luft, die sonst Druck im Bauch macht.
  5. Bequeme Kleidung. Achte darauf, dass Windeln, Hosen und Oberteile nicht einschnüren. Auch zu enge Kleidung kann den Bauch belasten.
  6. Fettiges und Frittiertes vermeiden. Bekommt dein Kind bereits feste Nahrung? Dann solltest du sehr fettige und frittierte Lebensmittel vermeiden. Sie verzögern die Magenentleerung und begünstigen Reflux.8
  7. Kamille beruhigt den Magen. Ein kleiner Schluck Kamillentee kann Sodbrennen lindern – aber erst ab dem 6. Lebensmonat. Wichtig: Nicht als Ersatz für Milch und nur in Maßen geben.
  8. Ein Schnuller kann helfen. Er wirkt beruhigend und regt zum Schlucken an. Das mindert möglichen Rückfluss.

Fazit: Reflux bei Babys erkennen und richtig einordnen

Reflux ist bei Babys weit verbreitet und meistens harmlos. Trotzdem beschert er vielen Eltern aus Sorge schlaflose Nächte. Kein Wunder. Besonders in den ersten Monaten ist es schwer zu unterscheiden: Ist es harmloses Spucken, Erbrechen oder eine Refluxkrankheit?

Mit Wissen, Beobachtung und ärztlichem Rat lässt sich das gut einordnen. Wichtig ist: Aufmerksam bleiben, aber nicht in Panik verfallen. Bei Babys verschwinden die Beschwerden meist von allein. 

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Quellen:
1 MSD Manuals. Erbrechen bei Säuglingen und Kindern – Ursachen. MSD Manual – Ausgabe für Patienten. (02.12.2025)
2 Pena EM, Parks VN, Peng J, et al. Lower esophageal sphincter relaxation reflex kinetics: effects of peristaltic reflexes and maturation in human premature neonates. Am J Physiol Gastrointest Liver Physiol. 2010 Dez;299(6):G1386-95. DOI: 10.1152/ajpgi.00289.2010. PMID: 20864655; PMCID: PMC3006240 (02.12.2025)
3 Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e. V. (BVKJ). Überstrecken beim Füttern kann beim Säugling auf Refluxkrankheit hinweisen. kinderaerzte-im-netz.de (02.12.2025)
4 American Academy of Pediatrics. What is the safest sleep solution for my baby with reflux? HealthyChildren.org. (02.12.2025)
5 MSD Manuals. Gastroösophagealer Reflux bei Säuglingen. MSD Manual – Ausgabe für Fachkreise (02.12.2025)
6 Cleveland Clinic. Reflux in Babies. my.clevelandclinic.org. (02.12.2025)
7 American Academy of Pediatrics. GERD (Reflux). HealthyChildren.org (02.12.2025)
8 Leung AK, Hon KL. Gastroesophageal reflux in children: an updated review. Drugs Context. 2019 Jun 17;8:212591. doi: 10.7573/dic.212591. PMID: 31258618; PMCID: PMC6586172. (02.12.2025)


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Dieser Artikel ist nach wissenschaftlichen Standards verfasst und von Pohl-Boskamp auf seine Richtigkeit intensiv geprüft worden.

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